…vor fünf Jahren verbrannt in einer Polizeizelle In Dessau-Roßlau wird des Todes von Oury Jalloh gedacht // Debatte um angemessene Form des Gedenkens // Bundesgerichtshof entscheidet am selben Tag über Revision des Falles
Der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh ist in den Morgenstunden des 07. Januar 2005 im Dessauer Stadtgebiet von der Polizei aufgegriffen worden, weil er alkoholisiert Frauen belästigt haben soll als er diese nach einem Handy gefragt habe. Wenige Stunden später verstarb Jalloh an den Folgen eines Hitzeschocks, nachdem in der gefliesten Polizeizelle in der er an Händen und Füßen gefesselt auf einer feuerfesten Matratze lag ein Feuer ausbrach. Mehr als zwei Jahre später ist im März 2007 vor dem Dessau-Roßlauer Landgericht zu dem Todesfall erst der Prozess eröffnet worden.
Der angeklagte Dienstgruppenleiter Andreas S., der den Feueralarm im Polizeirevier am 07. Januar 2005 ignoriert haben soll und der Polizeibeamte Hans-Ulrich M., der ein Feuerzeug bei der Durchsuchung von Oury Jalloh übersehen haben soll, wurden in diesem Verfahren freigesprochen, was derzeit für Tumulte im Gerichtssaal sorgte. Mehrere Initiativen kritisierten vehement, dass das Gericht und die Staatsanwaltschaft in diesem Verfahren ausschließlich der These folgten, dass Oury Jalloh die Matratze auf der er lag selbst entzündet haben soll. Durch die Nebenklage wurde im Verfahren mehrfach diskriminierendes Verhalten von Ämtern und Polizeibeamten gegenüber Migranten und anderen Randgruppen in der Gesellschaft thematisiert.
Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage legten nach der Verhandlung Revision gegen das Urteil ein. Am 16. Dezember 2009 verkündete der Vorsitzende Tepperwien am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass er deutliche Zweifel am Freispruch eines der beiden Polizisten habe. Am 07. Januar 2010 wird der BGH darüber entscheiden, ob das Verfahren neu aufgerollt werden muss.
Das Multikulturelle Zentrum und die dort ansässige Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten organisieren daher für den 07. Januar 2010 um 9.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung an der Treppe des Dessau-Roßlauer Polizeireviers in der Wolfgangstraße und rufen auf, bei Teilnahme Blumen und Kerzen mitzubringen. „Ich wünsche mir eine Gedenktafel für Oury Jalloh am Haupteingang des Dessauer Polizeireviers“, so die Forderung des Leiters des Multikulturellen Zentrums Razak Minhel in der Ankündigung. Den Veranstaltern ist hierbei besonders wichtig, dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh an jenem Ort zu gedenken, wo dieser sein Leben lassen musste.
Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh (mehr dazu hier…) kündigt für den 07. Januar 2010, ab 14.00 Uhr eine Demonstration mit Treffpunkt am Dessau-Roßlauer Hauptbahnhof an. Unter dem Motto: „Oury Jalloh – das war Mord! Gedenkdemonstration zum 5. Jahrestag“ planen die Veranstalter ihren Unmut über den Tod, die mangelnde Aufklärung und staatlichen Rassismus auf den Straßen Dessau-Roßlaus Ausdruck zu verleihen. verantwortlich für den Artikel: |
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